Was bedeutet „Unkraut jäten“ in zwischenmenschlichen Beziehungen?

In unserem sozialen Umfeld begegnen wir vielen Menschen: Einige sind uns nah, andere eher fremd. Trotzdem gibt es Personen, die uns stark irritieren – manchmal reicht schon ihre blosse Anwesenheit, um unangenehme Gefühle auszulösen. Doch woher kommen diese Irritationen? Psychologisch betrachtet handelt es sich häufig um sogenannte „Projektionen“. Das sind unbewusste Abwehrmechanismen, bei denen wir unerträgliche Gefühle oder Wünsche, die wir in uns selbst nicht annehmen können, auf andere übertragen. So bekämpfen wir im Aussen einen Teil von uns, der eigentlich innerlich gesehen, angenommen und dadurch aufgelöst werden sollte – wie Unkraut, das im Garten wächst und die gesunde Entwicklung stört. „Unkraut jäten“ bedeutet daher: sich achtsam mit den eigenen Reaktionen zu beschäftigen. Eine wirkungsvolle Methode ist, die Situation während einer Meditation zu klären. Man setzt sich hin, schliesst die Augen, entspannt sich und spürt bewusst sein Gewicht auf dem Stuhl oder dem Boden, um sich mit der Erde zu verbinden.

Im nächsten Schritt stellt man sich diese Person vor und beobachtet genau, welche Empfindungen im Körper dadurch ausgelöst werden – an welcher Stelle und mit welcher Intensität. Wichtig ist, als stiller Beobachter aufzutreten, alle Gefühle und Gedanken zuzulassen, auch wenn sie unangenehm oder abstossend sind, ohne sich in den Prozess einzumischen.

Nach einer Weile lässt sich meist eine Erleichterung spüren, dass sich die emotionale Ladung langsam auflöst. Je nach Stärke dieser Projektion kann es erforderlich sein, diesen Prozess mehrmals zu wiederholen. Wenn dieser gelingt, erlebt man die Person beim nächsten Treffen oft viel neutraler und unmittelbarer.

Dieser Prozess hilft, die Beziehung zu sich selbst wie auch zu anderen zu verbessern – für mehr Klarheit und Frieden im Zusammenleben.