Über die Autopiloten

Wenn man eine längere Zeit die innere Achtsamkeit durch Meditation praktiziert, erfährt man, dass unser Leben fast die allermeiste Zeit von den inneren Autopiloten geführt wird. Das Erstaunliche ist auch, dass es bei näherer Betrachtung nicht einen, sondern mehrere solcher Autopiloten in uns gibt, welche oft untereinander nicht einig sind und um die Vorherrschaft kämpfen.

Welcher Art von Gebilde sind solche Autopiloten? Diese nur auf bestimmte Rollen zu reduzieren, wie zum Beispiel Vater, Mutter, „gutes Kind“, Chef, Befehlsempfänger usw. ist zu einfach gegriffen. Vielmehr sind das die Strukturen, welche aus einer Ansammlung von Verhaltensmustern, Gewohnheiten, Glaubenssätzen und bestimmten Gefühlen bestehen. Ein Beispiel könnte so ein Autopilot sein, welcher den Konflikten konsequent aus dem Weg geht, die Bedürfnisse anderer über die eigenen stellt und viele eigene «unerwünschte» Gefühle in sich «schluckt».

Solche Strukturen wurden im Laufe des Lebens langsam entwickelt und zeigen sich in gewissen Situationen als sehr nützlich, aber in anderen führen sie zu ganz unerwünschten Ergebnissen.
Die Tatsache ist, dass wir mehrere solche Gebilde in uns haben. Diese Autopiloten haben zum Teil unterschiedliche Interessen und abweichende Verhaltensweisen. In ihrer Kommunikation untereinander entstehen die «inneren Dialoge» und ihr Kampf um Vorherrschaft kann zu richtigen inneren Konflikten führen.

Was ist das Ziel von so einem Autopiloten? Er möchte unser Bewusstsein komplett übernehmen. Dann steht ihm ein grosser Teil unserer psychischen Energie zur Verfügung. Die anderen Autopiloten «trocknen» in dieser Zeit etwas aus und warten auf die Gelegenheit, in passender Situation die Vorherrschaft auf sich zu reisen. Wir als Wesen sind dieser Prozesse normalerweise nicht bewusst.

Sind die Autopiloten gut oder schlecht? Einige resultieren sicher aus vorteilhaften Lebensstrategien, andere meist aus tiefen Stresssituationen. So sind einige nützlich und andere nicht. Deswegen ist es wichtig, diese unbewussten Prozesse in sich achtsam wahrzunehmen und die Leitung des Lebens in die eigenen Hände zu nehmen.

Das bedeutet, dass wir in der ersten Phase, als stiller Beobachter, erstmals unsere Autopiloten kennenlernen sollen, dass wir ihre Existenz in uns erfahren. Danach können wir dann auch bewusst, aus unserer Mitte, entscheiden, ob wir einen aufdrängenden Autopiloten überhaupt zulassen oder einen anderen wählen oder sogar eine dritte, ganz neue und unerwartete Reaktion aus dem Inneren gewähren lassen. Auch wenn wir einen «passenden» Autopiloten ausgewählt haben, werden wir ihm diesmal nicht unser ganzes Bewusstsein übergeben, sondern weiterhin innerlich achtsam bleiben und wach und bewusst durch unser Leben voranschreiten. Kann man sich von den unerwünschten Autopiloten befreien? Ja, aber das geschieht nicht sofort. Wenn man diesen die Gelegenheit nicht mehr gibt, die Kontrolle zu übernehmen, dann «trocknen» sie über die Zeit aus und werden immer schwächer. Trotzdem werden sie weiterhin immer wieder versuchen, in einem Moment der Unachtsamkeit unser Bewusstsein zu übernehmen.

In der psychologischen und geistigen Literatur findet man solche Autopilot-Strukturen unter zahlreichen und unterschiedlichen Namen. Sie werden diese etwa in der Psychosynthese von Roberto Assagioli Teilpersönlichkeiten und in der buddhistischen Philosophie Aggregate genannt.